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Florian Eitel

Eine Woche Gentoo

Nun ist es schon eine ganze Woche her seit dem ich kurz entschlossen angefangen habe Gentoo zu installieren. Alles in allem war die Installation bisher einfacher als erwartet. Allerdings dauerte es auch länger als ich dachte. Ich kann noch lange nicht sagen das alles fertig installiert und eingerichtet ist.

Mein altes Kubuntu 7.04 ist langsam doch in die Jahre gekommen. Außerdem ärgerte ich mich immer wieder über die Paketverwaltung da teilweise unschöne Abhängigkeiten, veraltete Pakete und wenig Anpassungsmöglichkeiten einem das Leben schwer machen. Allgemein bin ich warscheinlich aus der Zielgruppe von *buntu raus gewachsen, da zwar die Oberfläche schön und Sinnvoll eingerichtet ist (was mir jetzt nach dem Umstieg besonders auf fällt), allerdings dahinter absolutes Chaos herrscht. Wer wie ich gerne auf CLI-Basis arbeitet fällt dies sicher besonders auf. Bestes Beispiel ist der Networkmanager der nie tut was er soll. Jetzt habe ich einfach ein paar Konfigurationsdateien geschrieben und Netzwerk läuft ohne Probleme. Ebenso automatisches Einbinden von Wechseldatenträger etc. Ich glaub da kann man noch genug Beispiele finden. Und zu guter Letzt ärgerte es mich das Kubuntu, welches ich als KDE-Fan verwendet habe, von den *buntu Entwicklern eher vernachlässigt wurde.

So habe ich viel Hoffnung in Gentoo gesteckt und wurde auch im Großen und Ganzen nicht enttäuscht. Hier mal meine ersten Eindrücke von der Installation und einer Woche im Gebrauch. Außerdem vielleicht ein paar Tipps am Rande die dem ein oder anderen Umsteiger das Leben etwas einfacher machen sollte.

Installation

Wer auf einen Installer, wie man ihn in den meisten anderen Linux Distributionen kennt, hofft wird enttäuscht. Statt dessen startet man mit einer Live-CD und partitioniert so mit den gewohnten Programmen seine Festplatte und kopiert einige wichtige Programme. Anschließend wechselt man mit chroot auf die so erstellte Minimalumgebung und beginnt Programme wie den Bootmanager grub oder ein DHCP-Client zu installieren. Das erste mal wo ich wirklich geschockt wurde, war die Kernel Konfiguration. Man (darf|muss) jede Kerneleinstellung selbst setzten. Ich war damit erstmal völlig überfordert. Bisher habe ich allerdings bestimmt 30 Mal mein Kernel neu kompiliert und mittlerweile ist das Konfigurieren nichts mehr besonderes. Man sollte sich nur von Anfang an klar machen das man nicht alles gleich richtig einstellen kann. Einfach mal rum Probieren. Ganz wichtig für die komplette Installation ist das Handbuch. Ich rate jedem danach vor zu gehen.

Paketverwaltung

Man muss sich hier am meisten umgewöhnen. Binärpakete, wie unter den meisten anderen Distributionen, gibt es unter Gentoo nicht mehr. Statt dessen lädt man sich den Sourcecode herunter und kompiliert diesen selbst. Das hört sich schwerer an als es ist. Es gibt trotzdem eine Paketverwaltung. So das ein einfaches emerge PAKETNAME ausreicht um ein Paket mit allen Abhängigkeiten zu installieren. Es wird der Sourcecode heruntergeladen und wie man das auch von manuellen Kompilieren kennt configure und make aufgerufen. Wer öfters selbst kompiliert wird die Flags bei configure kennen. Man kann hier entscheiden ob einzelne Module kompiliert werden sollen oder eben nicht. Dies ist bei Gentoo sehr cool über so genannte USE-Flags gelöst die man zentral oder für einzelne Pakete angeben kann.

Man kann sich mit Use-Flags aber auch viel kaputt machen. Hier ein Tipp von mir: Am Anfang wenig USE-Flags nutzen und lieber später erneutes kompilieren mit veränderten Flags in kauf nehmen. Sonst passiert es euch wie mir, dass man eigentlich nur wpasupplicant für WPA Support installieren will aber gleichzeitig noch der Druckserver Cups, ein X-Server und die QT-Libraries als Abhängigkeiten mit kommen. Außerdem bei jedem Kompilieren bei emerge die Parameter für —verbose, —ask und —tree mitgeben um alle USE-Flags und Abhängigkeiten zu prüfen. Bestes Beispiel, bei dem man aufpassen muss, ist Eclipse. Will man dies in der Version 3.3 installieren und man passt mit den USE-Flags nicht auf so hat man danach Java 1.4, Java 1.5 und Java 6 installiert. Richtig freuen kann man sich aber auf der anderen Seite wenn man Psi mit dem USE-Flag “extra” kompiliert da Psi dann einige richtig coole neue Features hat. Oder wenn man Firefox mit “iceweasel” merged. Damit wird das Iceweasel Branding aktiviert. Leider ist nicht immer klar was ein USE-Flag jetzt genau bewirkt.

Einige sehr coole Features sind ccache und distcc. Distcc ist für verteiltes Kompilieren der Pakete was ich leider nicht ausprobieren konnte da es mir dazu an Computern fehlt. Ccache ist ein schneller Compiler Cache der Zwischenresultate speichert. So ist es möglich ein Programm viel schneller zu kompilieren wenn man es schon einmal übersetzt hat. Ich rate jedem ccache als eines der ersten Dinge auf dem System einzurichten. Mittlerweile schaffe ich es damit mein Kernel mit recht vielen Modulen in ca. sieben Minuten zu kompilieren. Ohne ccache dauert es bei mir fast 25 Minuten.

Insgesamt muss man beim installieren und vor allem beim deinstallieren sehr aufpassen da eventuelle Abhängigkeiten beim Deinstallieren nicht berücksichtigt werden. Außerdem kann es passieren das Programme nicht mehr laufen wenn man von Abhängigkeiten die USE-Flags ändert. Dafür hat man aber auch wahnsinnige Möglichkeiten (die ich evtl. die nächsten Tage näher beschreiben werde). Das einzige was ich wirklich vermisse ist mein geliebtes aptitude. Mit der Zeit kommt man aber auch ganz gut so zurecht. Nur weiter empfehlen kann ich eix auf das mich Klaus gebracht hat. Damit kann man sehr komfortabel sein Portage durchsuchen. Ansonsten helfen die drei Portage Seiten sehr weiter.

Man gewöhnt sich ans kompilieren allerdings freut man sich doch wenn zwischendurch mal ein Binärpaket wie z.B. den Grafikkartentreiber oder Flash erwischt da dann die Kompilierzeit auf 0 gedrückt wird.

GUI

Hier blickt man gerne auf *buntu zurück. Gentoo installiert zwar die Pakete, allerdings konfigurieren muss man das selbst. So ist es nicht so einfach unter KDE die Schriftgröße von Firefox anzupassen. Auch muss man zum Teil erst manuell definieren welche Dateien mit welchem Programm geöffnet werden sollen. Besonders beim Firefox ist das nervig. Aber da ich sowieso mit dem Gedanken spiele mich von dem kompletten KDE-Environment etwas weg zu bewegen und lieber mit anpassbaren und schnelleren Window-Managern zu arbeiten, komme ich so oder so nicht um die Konfiguration rum.

Was mir hier überhaupt nicht gefällt sind die “Metapakete”. Metapakete sind Pakete die andere Pakete enthalten. So installiert man zum Beispiel nur kdepim und das gesamte KDE-PIM-Environment wird installiert. Leider aber nicht die einzelnen Komponenten als Abhängigkeit. So ist z.B. KMail in KDE-PIM enthalten und noch einmal als extra Paket. Will ich jetzt KMail deinstallieren geht das nicht weil das Paket KMail ist nicht installiert. Sondern nur kdepim was halt zufällig KMail enthält. Das ganze ist etwas unschön aufgebaut und ich bin noch nicht hinter den Grund gekommen. Ich hatte unter *buntu schon wenig für Metapakete übrig aber so ist das noch schlimmer.

Leider verfolgt mich auch das leidige nvidia-Treiber Thema welches ich im Zusammenhang mit Framebuffer und nvidia Treiber habe. Ich kann unter Konsole normal arbeiten aber sobald ich X mit nvidia Treiber starte komme ich nicht mehr zurück auf Konsole. Abhilfe schafft nur der langsamere xf86-video-nv Treiber der auch keine 3D Unterstützung anbietet. Allerdings habe ich jetzt schon andere Leute gefunden die das selbe Problem haben. Liegt also nicht an mir ;-)

Fazit

Der Umstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt. Auch wenn ich noch ein bisschen Arbeit vor mir habe. Die Paketverwaltung ist echt cool und auch sonst glänzt es mit Anpassungsmöglichkeiten. Ich sag nur drei System-Logger und drei Cron-Daemons die allein im Handbuch beschrieben werden. Auf der anderen Seite muss ich mich über Details wie so manche Abhängigkeit oder eben der Metapackete wundern. Auch das Bash die Standard Shell ist hat mich als zsh Fan sehr überrascht. Ich bin allerdings froh das ich umgestiegen bin auch wenn ich noch einiges an Zeit reinstecken muss. Die sehr gute Community und die vielen Wikis und Foren helfen mir dabei sehr. In Sachen Dokumentation ist Gentoo auf jeden Fall vorne mit dabei!

Comments:

(howto comment?)

Grats :) Bist ja auf nem guten Weg. Das mit Eclipse erklärt auch warum ich diese Versionen drauf hatte * g *

Bei mir läuft eigentlich au alles bestens .. nach nem Monat. Muss nur noch den Brenner zum laufen bekommen.

Postet on by kb.

Irgendwie gibt es doch verschiedene Arten von Metapaketen. Als Beispiel gibt es kdebase und kdebase-meta. kdebase enthält, wie oben beschrieben, alle KDE-Base-Pakete wohingegen kdebase-meta diese nur, wie ich es eigentlich wollte, als Abhängigkeiten mit installiert. Ich bin jetzt auch von kdebase auf kdebase-meta umgestiegen (was mich gute zwei Stunden kompilieren gekostet hat) aber warum es kdebase gibt versteh ich einfach nicht.

Außerdem (habe ich im Post vergessen) finde ich es unmöglich wie man in der Doku nano als Editor empfehlen kann… Musste mal raus ;-)